Es ist immer wieder schön, ein rätselhaftes Gemälde eines rätselhaften Künstlers im Original erforschen zu können. Marthe Alers-Abran wurde 1867 in Paris geboren und starb 1908 im Alter von nur 41 Jahren auf tragische Weise in derselben Stadt. Sie hatte 1897 Charles Alers, einen Ingenieur, geheiratet und unterrichtete, wie viele Künstlerinnen zu dieser Zeit, Zeichnen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlerinnen ihrer Zeit erhielt sie jedoch Zugang zu den exklusiven Salon des Artistes Français, wo er 1893 eine lobende Erwähnung und 1896 eine Medaille erhielt.
Was mich an dem Gemälde von ihr faszinierte, war, dass die dargestellte Szene nichts Pariserisches oder gar Französisches an sich hatte. Wie ist sie dazu gekommen, es zu malen? Ich glaube, ich habe die Antwort gefunden. Marthe war nicht nur Malerin, sondern auch Bildhauerin - und zwar eine sehr gute. Ich konnte nicht feststellen, inwieweit sie mit Rodin gearbeitet und studiert hat, aber sie hatte sicherlich eine Verbindung zu ihm, da ihr Name in seinem Studioarchiv auftaucht. In Rodins Studio lernte sie auch die Bildhauerin Sophie Postolska kennen, eine Französin polnischer Abstammung, die genau so alt war wie sie, und freundete sich mit ihr an. Wie Camille Claudel vor ihr war auch Marthes Freundin Sophie nicht nur Rodins Schülerin, sondern auch seine Muse und Geliebte.
Als Rodin sich 1904 von Sophie trennte, versuchte sie, sich mit Quecksilberchlorid umzubringen und wurde ins Hôpital Broussais eingeliefert. Nach ihrer Entlassung begann sie zu reisen und verbrachte einige Zeit in Krakau, Wien und Zakopane, einer Stadt am Fuße des Tatragebirges mit einer blühenden Künstlergemeinde.
Hierher kam Marthe zu Besuch und malte diese wunderschöne, juwelenfarbene Szene, die Folgendes darstellt einheimische Frauen beim Abendgebet auf den Feldern. Für mich weckt dieses Gemälde Erinnerungen...
Kategorie
Impressionismus Gemälde aus den frühen 1900er Jahren