Hilliard Dean, '#4', Farblithographie, 1970, Auflage nicht angegeben, aber klein. Mit Bleistift signiert, betitelt und mit dem Vermerk "AP" versehen. Am rechten unteren Blattrand mit Bleistift datiert "Mai 1970". Schöner, farbfrischer Abdruck auf schwerem, cremefarbenem Arches-Waffelpapier; ganzes Blatt mit Rändern (2 1/8 bis 3 Zoll); in den Rändern leicht stockfleckig, ohne Einfluss auf die Darstellung; zwei kurze (1/4 Zoll) reparierte Einrisse am linken Blattrand, sonst sehr gut erhalten. Gedruckt von der Künstlerin. Archiviert in einer Hülle, nicht mattiert.
Bildgröße 15 5/8 x 18 Zoll (397 x 457 mm); Blattgröße 19 7/8 x 24 Zoll (505 x 610 mm).
ÜBER DEN KÜNSTLER
Hilliard Reynolds Dean (geb. 1933) ist ein US-amerikanischer Maler und Grafiker, dessen Werk sowohl figurative als auch abstrakte Bildsprache umfasst. Dean wurde in Washington, D.C. geboren und war in der Kunstszene Washingtons aktiv; besonders bekannt ist er für eine kleine Reihe experimenteller Farblithografien, die er in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren schuf. Obwohl biografische Informationen über den Künstler überraschend spärlich sind, sichern ihm seine Einbeziehung in bedeutende Übersichtsausstellungen zur afroamerikanischen Kunst sowie der Erwerb seiner Druckgrafiken durch das Smithsonian American Art Museum einen festen Platz in der Geschichte der amerikanischen Druckgrafik der Nachkriegszeit.
Deans früheste dokumentierte Drucke im Smithsonian stammen aus dem Jahr 1968. „Fisherman“, eine Farblithografie aus jenem Jahr, ist nach wie vor gegenständlich und zeigt eine männliche Figur, ein Fischerboot und eine Wasserlandschaft. Im selben Jahr schuf Dean jedoch das Werk „Untitled (#B)“, das vom Smithsonian als abstrakt eingestuft wird; darauf folgte 1969 „Untitled (#C)“. Dean selbst schenkte diese Werke dem Museum im Jahr 1969, was darauf hindeutet, dass die Abstraktion bereits gegen Ende des Jahrzehnts zu einer wichtigen Richtung in seinem grafischen Schaffen geworden war.
In den Farblithografien aus den Jahren 1969–70 entwickelt Deans grafisches Schaffen seinen ganz eigenen Charakter. Diese Kompositionen verzichten auf herkömmliche Darstellungsweisen und setzen stattdessen auf ineinander verschachtelte organische und geometrische Formen, unregelmäßige Konturen, konzentrierte Farbflächen und komplexe räumliche Beziehungen. Die Formen scheinen sich zu überlappen, ineinander zu dringen oder aus einander hervorzutreten, wodurch Kompositionen entstehen, die gleichzeitig konstruiert und in Bewegung zu sein scheinen. Die daraus entstehenden Bilder nehmen eine interessante Position zwischen geometrischer Abstraktion und dem eher biomorphen Vokabular ein, das sich im Rahmen der amerikanischen Nachkriegsmoderne entwickelt hatte.
Farbe ist bei diesen Drucken ein wesentlicher Bestandteil und dient nicht nur der Beschreibung. Dean stellte satte Farbtöne dunkleren linearen und flächigen Elementen gegenüber, wodurch einzelne Formen auf dem Blatt mal in den Vordergrund traten, mal in den Hintergrund. Die Kompositionen zeichnen sich daher durch eine beträchtliche visuelle Energie aus, behalten dabei jedoch eine sorgfältig kontrollierte innere Struktur bei. Durch die Kombination aus kantigen Passagen, geschwungenen Formen, Farbverläufen und mehrdeutigen räumlichen Überlagerungen reihen sie sich eindeutig in die breiter angelegten Experimente mit der Abstraktion ein, die für die amerikanische Kunst um 1970 charakteristisch waren, während ihr spezifisches visuelles Vokabular unverkennbar Deans eigene Handschrift trägt.
Die Drucke sind zudem als Werke der Druckgrafik bemerkenswert. Dean druckte die Lithografien selbst, meist auf kräftigen Bögen aus Arches- oder Grumbacher-Büttenpapier. Die erhaltenen Exemplare lassen auf außergewöhnlich kleine Auflagen schließen: Einige sind lediglich als Künstlerexemplare gekennzeichnet oder weisen keine Angabe zur Auflage auf, während andere in Auflagen von lediglich sieben oder neun Abzügen erschienen sind. Einzelne Abzüge sind manchmal genau datiert – darunter Mai 1970 und 11. Juni 1970 –, was auf eine intensive Experimentierphase hindeutet, in der Dean verwandte Kompositionen in relativ schneller Folge entwickelte.
Diese geringen Auflagen erklären zum Teil, warum Deans abstrakte Lithografien heute relativ selten sind. Sie wirken weniger wie kommerzielle Seriendrucke, die für den breiten Vertrieb konzipiert wurden, als vielmehr wie die intensive Auseinandersetzung eines Künstlers und Grafikers mit der Lithografie als einzigartigem Ausdrucksmedium. Die nummerierten Titel – Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3 usw. – unterstreichen ihren serienartigen Charakter zusätzlich und regen dazu an, die Werke eher als Etappen einer sich weiterentwickelnden formalen Auseinandersetzung zu verstehen denn als isolierte Bilder.
Deans Arbeit fand schon früh institutionelle Anerkennung. Das Smithsonian American Art Museum besitzt mehrere seiner Lithografien, darunter „Fisherman“ (1968), „Untitled (#B)“ (1968) und „Untitled (#C)“ (1969), die alle vom Künstler gestiftet wurden. Er ist außerdem in Theresa Dickason Cederholms „Afro-American Artists: A Bibliographical Directory“ (Boston Public Library, 1973) und in Regenia A. Perrys „Free Within Ourselves: African-American Artists in the Collection of the National Museum of American Art“ (1992) verzeichnet.
Aus heutiger Sicht stellen Deans abstrakte Werke aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren einen besonders faszinierenden Aspekt seines Schaffens dar. Durch die Kombination aus kühner Farbgebung, verdichteten räumlichen Beziehungen, biomorphen und geometrischen Formen sowie ungewöhnlich kleinen, vom Künstler selbst gedruckten Auflagen reihen sie sich in die fruchtbare Phase der experimentellen amerikanischen Druckgrafik ein, die mit der Ausbreitung der Abstraktion in den Nachkriegsjahrzehnten einherging. Aufgrund ihrer Seltenheit und der spärlichen Veröffentlichungen zu Deans Werdegang ist dieses Werk weitaus weniger bekannt, als es seine visuelle Raffinesse eigentlich verdienen würde.
Ausgewählte öffentliche Sammlung: Smithsonian American Art Museum, Washington, D.C.