Sobreteixims I
Farblithographie, 1973
Unsigniert (wie ausgegeben)
Aus: Derrière le Miroir, Nr. 203.
Großauflage
Herausgegeben von Maeght Éditeur, Paris
Lithografien, gedruckt von Lourlot, Paris
Gedruckt von ARTE – Adrien Maeght
Zustand: Farben sind noch frisch
Centerfold wie ausgegeben
Bild/Bogengröße: 15 x 22 Zoll
Referenz: Cramer 157
Derrière Le Miroir: Aimé Maeghts Meisterwerk der Kunstverlagskunst des 20. Jahrhunderts
Unter den einflussreichsten Kunstpublikationen des 20. Jahrhunderts nimmt „Derrière Le Miroir“ (üblicherweise mit DLM abgekürzt) eine einzigartige Stellung ein. Weder ein herkömmlicher Ausstellungskatalog noch bloß eine illustrierte Zeitschrift – sie entwickelte sich zu einer Collaboration, in der Künstler, Dichter, Kritiker, Drucker und Verleger originelle Werke der grafischen Kunst schufen. Die zwischen 1946 und 1982 vom Pariser Kunsthändler und Verleger Aimé Maeght herausgegebene Reihe gilt bis heute als eine der herausragendsten Leistungen im Bereich des modernen lithografischen Verlagswesens und ist eine unverzichtbare Referenz für Sammler von Originaldrucken.
Aimé Maeght: Kunsthändler, Drucker und Verleger
Bevor er zu einem der führenden Kunsthändler Europas wurde, absolvierte Aimé Maeght (1906–1981) eine Ausbildung zum Lithografen. Sein Verständnis für die Steinlithografie hob ihn von den meisten Galeristen seiner Generation ab. Anstatt Drucke als zweitrangige Reproduktionen zu betrachten, sah er die Lithografie als eigenständiges künstlerisches Medium, das es in puncto Ausdruckskraft mit der Malerei aufnehmen konnte.
Nachdem Maeght nach dem Zweiten Weltkrieg die Galerie Maeght in Paris eröffnet hatte, suchte er nach einer Publikation, die jede Ausstellung über die Grenzen der Galerie hinaus tragen würde. Das Ergebnis war „Derrière Le Miroir“ („Hinter dem Spiegel“), das erstmals 1946 erschien. Jede Ausgabe diente gleichzeitig als Ausstellungskatalog, Literaturzeitschrift und Portfolio mit Originaldrucken. Im Laufe ihres Bestehens umfasste die Zeitschrift schließlich 253 nummerierte Ausgaben (die aufgrund zahlreicher Doppel- und Dreifachausgaben in etwa 200 gedruckten Bänden erschienen), bevor sie 1982 eingestellt wurde.
Im Gegensatz zu kommerziellen Zeitschriften widmete sich DLM ausschließlich Künstlern, die von der Galerie Maeght vertreten wurden oder mit deren Ausstellungen in Verbindung standen. Folglich wurde die Publikation zu einer außergewöhnlichen visuellen Dokumentation der zentralen Rolle der Gallery im Modernismus der Nachkriegszeit.
Original-Lithografien statt Reproduktionen
Die größte Bedeutung von „Derrière Le Miroir“ liegt in seinen Original-Lithografien.
Im Gegensatz zu gewöhnlichen Ausstellungskatalogen, in denen Gemälde fotografisch wiedergegeben werden, enthielten viele Ausgaben von DLM Lithografien, die von den Künstlern direkt auf Lithografiesteine oder Zinkplatten gezeichnet wurden. Diese wurden von Meisterwerkstätten gedruckt, insbesondere von denen von Fernand Mourlot und später in Maeghts eigenen Druckereien.
Die Künstler wurden dazu angeregt, jede Lithografie eher als eigenständiges Kunstwerk denn als Illustration zu betrachten. Die Umschläge waren oft selbst Original-Lithografien, während die Innenseiten häufig Folgendes enthielten:
- • einseitige Farblithografien
- • doppelseitige Lithografien
- • Ausklappkompositionen
- • Schwarz-Weiß-Lithografien
- • experimentelle Kombinationen aus Text und Bild
Viele Luxusausgaben enthielten zusätzliche signierte Original-Lithografien, die in den Standardausgaben nicht erhältlich waren.
Da diese Bilder speziell für die Lithografie konzipiert wurden, nehmen sie im grafischen Werk jedes Künstlers einen wichtigen Platz ein. Für Sammler gilt eine originale DLM-Lithografie als authentischer Originaldruck und nicht als Reproduktion.
Ein Labor für moderne Kunst
Ein bemerkenswerter Aspekt von „Derrière Le Miroir“ war die enge Collaboration zwischen Künstlern und Schriftstellern.
Jede Ausgabe enthielt in der Regel:
- • Aufsätze führender Kritiker
- • Lyrik
- • Künstlerstatements
- • originale Grafikkunst
- • Installationsfotos
- • Reproduktionen von Gemälden und Skulpturen
Zu den Mitwirkenden zählten Schriftsteller wie Jacques Dupin, René Char, Michel Leiris, Francis Ponge und Jean Paulhan, die einen ungewöhnlich facettenreichen Dialog zwischen Literatur und bildender Kunst schufen.
Bedeutende Künstler, die Original-Lithografien schufen
Die Liste der Künstler, die Original-Lithografien für „Derrière Le Miroir“ geschaffen haben, liest sich wie eine Geschichte der europäischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Zu den wichtigsten Mitwirkenden gehörten:
- • Joan Miró
- • Marc Chagall
- • Alexander Calder
- • Georges Braque
- • Henri Matisse
- • Alberto Giacometti
- • Eduardo Chillida
- • Pierre Tal-Coat
- • Raoul Ubac
- • Jean-Paul Riopelle
- • Antoni Tàpies
- • Ellsworth Kelly
- • Pierre Alechinsky
- • Bram van Velde
- • Pol Bury
- • Francis Bacon
- • Saul Steinberg
- • Isamu Noguchi
- • Takis
- • Karel Appel (in Verbindung mit den Maeght-Publikationen)
- • Valerio Adami
- • Claude Garache
Mehrere Künstler traten mehrfach auf. Miró allein wirkte über drei Jahrzehnte hinweg an zahlreichen Ausgaben mit, während Chagall für etwa dreizehn verschiedene Ausgaben Original-Lithografien schuf, was 1981 in der berühmten Ausgabe gipfelte, die ausschließlich seinen Lithografien gewidmet war.
Noch offene Einzelangelegenheiten
Zu den bekanntesten Themen zählen:
- • Nr. 14–15 (1948) – Joan Miró gewidmet, mit acht Original-Lithografien.
- • Braque-Ausgaben mit Original-Farblithografien und bedeutenden Aufsätzen.
- • Calder-Ausgaben mit mehreren Original-Lithografien, darunter signierte Luxusausgaben.
- • Miró–Artigas-Publikationen, die die Zusammenarbeit im Bereich der Keramikkunst dokumentieren.
- • Chagall-Ausgaben aus den 1950er- bis 1980er-Jahren mit originalen Farblithografien.
- • Ausgaben zu Giacometti, Riopelle, Tàpies, Ubac und Chillida, die heute als wichtige Veröffentlichungen im Druckgrafikkatalog der jeweiligen Künstler gelten.
Exzellenz in der Lithografie
Die Druckqualität hebt „Derrière Le Miroir“ von praktisch jeder anderen Zeitschrift für zeitgenössische Kunst ab.
Viele Bilder wurden von den besten Pariser Ateliers im traditionellen Kalkstein-Lithografieverfahren gedruckt. Die Registrierung mehrerer Farben erfolgte vollständig von Hand, wodurch subtile Farbverläufe erzielt werden konnten, die im herkömmlichen Offsetdruck nicht möglich sind.
Künstler überprüften die Probedrucke oft persönlich und passten die Farben so lange an, bis sie ihren Vorstellungen entsprachen. Daher zeichnen sich die Lithografien durch eine außergewöhnliche Vielfalt an Farben, Texturen und Linien aus.
Einfluss auf das Sammeln
Für Sammler ist „Derrière Le Miroir“ seit langem ein guter Einstieg in die Originalgrafik des 20. Jahrhunderts. Einzelne Lithografien werden häufig aus beschädigten Exemplaren herausgelöst und gerahmt, doch intakte Ausgaben werden zunehmend geschätzt, da sie den vollständigen künstlerischen und literarischen Kontext bewahren.
Sammler unterscheiden zwischen:
- • komplette Ausgaben
- • Deluxe-Ausgaben
- • signierte Ausgaben
- • einzelne Original-Lithografien, die aus den Ausgaben entnommen wurden
Die besten vollständigen Exemplare, insbesondere jene, die Miró, Chagall, Calder, Braque, Giacometti und Tàpies gewidmet sind, sind auf dem internationalen Kunstmarkt mittlerweile sehr begehrt.
Erbe
Mehr als jede andere Kunstpublikation der Nachkriegszeit verwischte „Derrière Le Miroir“ die Grenzen zwischen Ausstellungskatalog, Künstlerbuch, Literaturzeitschrift und Druckportfolio. Dadurch wurde der Ausstellungskatalog zu einem eigenständigen Kunstwerk, das zugleich die Entwicklung der europäischen Nachkriegsmoderne dokumentierte.
Maeghts Verständnis der Lithografie ermöglichte es den Künstlern, dieses Medium mit bemerkenswerter Freiheit zu nutzen und Tausende von Originaldrucken zu schaffen, die heute ein wesentliches Kapitel der grafischen Kunst des 20. Jahrhunderts bilden. Die Publikation bewahrte zudem Collaborationen zwischen Künstlern und Schriftstellern, die andernfalls möglicherweise verloren gegangen wären, wodurch „Derrière Le Miroir“ nicht nur zu einer der größten Errungenschaften des modernen Verlagswesens, sondern auch zu einer der bedeutendsten dokumentarischen Zeugnisse der künstlerischen Kultur der Nachkriegszeit wurde. Mehr als vier Jahrzehnte nach Erscheinen der letzten Ausgabe ist die Reihe für Museumskuratoren, Druckwissenschaftler, Sammler und Historiker der modernen Kunst nach wie vor unverzichtbar.