Le Rêve (Der Traum)
Farbiges Gillotage-Plakat, 1890
Signiert in der unteren rechten Ecke des Bildes (siehe Foto)
Dieses Plakat für ein Ballett an der Académie nationale de musique in Paris ist typisch für die Begeisterung für alles Japanische im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts. Nach der Wiederherstellung der Handelsbeziehungen in der Meiji-Ära kam Japan in Mode: Japan begann, sich an Weltausstellungen zu beteiligen, und spielte damit auf die Begeisterung des Frankreichs der Kolonialzeit für Exotika an. Die Künste verpackten die japanische Kultur eifrig für das westliche Publikum, wie dieses Plakat für ein Ballett von Léon Gastinel mit den Märschen für die Göttin Benten und den Mikagura-Walzern zeigt.
Das Design von Théophile-Alexandre Steinlen enthält alle gängigen Klischees: einen Bambusrahmen um den Titel, japanisch anmutende Buchstaben, einen Fächer mit Figuren aus traditionellen Mangas, eine Mondlandschaft und eine weiße Kiefer. Die Hauptfigur trägt unter ihrem Kimono ein Tutu, eine Ballettstrumpfhose und Schuhe. Halb Geisha, halb Ballerina, schreitet sie auf das Publikum zu: Sie ist sowohl ein unantastbares Idol als auch eine Frau, die bereit ist, ihre Zuneigung zu tauschen und ihre reichen männlichen Verehrer in ihre Garderobe einzuladen.
Dies war einer der ersten Plakatentwürfe Steinlens. Er arbeitete mit Rohrfeder, Pinsel und Spachtel und entlehnte die großen Farbflächen aus japanischen Drucken. Der Eindruck von Transparenz entsteht durch die Überlagerung einer Matrix für jede der fünf Farben - helles und dunkles Ocker, Zinnoberrot, Grau und Graublau. Für die damalige Zeit war es eine technische Meisterleistung, da ein neues fotomechanisches Reliefdruckverfahren verwendet wurde, das nach seinem Erfinder, dem Drucker Charles Gillot, als Gillotage bekannt ist. Auch sein Name steht auf dem Plakat: Vielleicht nicht zufällig war er einer der führenden Sammler japanischer Kunst seiner Zeit.
Dieses Plakat wurde für die Academie Nationale de Musique angefertigt. Das Bild "zeigt den riesigen Fächer, der im ersten Akt durch einen magischen Pfeilschuss geöffnet wird. An der Spitze steht die goldene Göttin Isanami, die die Heldin hinter dem Fächer in ein Traumerlebnis führt" (Französische Oper, S. 28)
Verlag: Gillot, Paris
Zustand: Ausgezeichnet
Postergröße: 34 x 25 Zoll
Referenz:
Guy Ducrey, Tout pour les yeux. Littérature et spectacle autour de 1900, Paris, PUPS, 2010.
Philippe Kaenel, in Collaboration mit Catherine Lepdor, Théophile-Alexandre Steinlen. L'œil de la rue, Ausstellungskatalog. Lausanne, Musée cantonal des Beaux-Arts, Mailand, 5 Continents Editions, 2008: n. 61.
Réjane Bargiel und Christophe Zagrodzki, Steinlen affichiste. Gesamtkatalog, Lausanne, Editions du Grand-Pont, 1986: n. 10.