"Die beiden koketten Dubliner Bardamen sind die 'Sirenen' in der elften Episode von Ulysses. Am späten Nachmittag zapfen sie in der Bar des Ormond Hotels Bier für ihre männlichen Kunden. Im Spiegel sieht man den kecken Blazes Boylan mit seinem gelben Strohhut, der die bronzefarbene Miss Douce und die blondhaarige Miss Kennedy mustert. Bloom, der seinem Rivalen den Rücken zuwendet, grüßt einen Bekannten im Speisesaal. Die gedämpften Farben von Hamiltons Tafel entsprechen der melancholischen Stimmung, die Joyce' Episode durchzieht. Joyce' Themen Sehnsucht, Verlust und Verrat werden durch eine komplexe Fuge aus Gesang, Musik und Geräuschen in einer Dubliner Bar zum Ausdruck gebracht.
Die Ursprünge dieses Drucks finden sich in zwei Arbeitszeichnungen von 1949. Eine erste Feder- und Tuschestudie konzentriert sich auf die Gesichter der beiden Barmädchen, Miss Douce und Miss Kennedy, und ihre Beziehung zueinander; sie enthält auch den Bierzug mit seinen erotischen Konnotationen. Die Komposition ist in einem vorbereitenden Aquarell von 1949 vollständig umgesetzt, das die Grundlage für die spätere, zwischen 1985 und 1987 entstandene Farbtafel bildet. Die Platte entstand auf der Grundlage von Arbeitszeichnungen, einem zweiten vorbereitenden Aquarell3 sowie zwölf Korrekturabzügen. Diese zeigen weitere geringfügige Anpassungen an der Zusammensetzung. Die bronzene Miss Douce hat den Zapfhahn lockerer in der Hand, während das Bierglas näher an den Zapfhahn herangeführt wird, um das schäumende Dubliner Gebräu aufzufangen.
Diese subtilen Veränderungen machen Joyce' Text anschaulicher: "Auf dem glatten, vorspringenden Bierzug lag Lydias Hand leicht, plump, überlass es meinen Händen. ... ihr Daumen und ihr Finger fuhren mitleidig vorbei: vorbei, wieder vorbei und, sich sanft berührend, dann glitten sie so sanft, langsam hinunter, ein kühler fester weißer Emaille-Stab ragte durch ihren Gleitring" (U, 274).
Der Druck der Farbtafeln erwies sich als ein großes Problem, da die französischen
Bei der vom Atelier Crommelynck angewandten Methode4 musste die Tinte trocknen, bevor eine neue Farbe aufgetragen werden konnte.
Dies verlängerte den Prüfvorgang über Gebühr und führte zu Schwierigkeiten bei der Registrierung der Schilder. Schließlich brachte Hamilton mit dem Einverständnis von Aldo Crommelynck die Platten nach Wien, wo der Drucker Kurt Zein sie im Nass-in-Nass-Verfahren druckte."
-Steven Coppel
Bronze durch Gold 1985-87
Aquatinta mit Weichgrund, Hebegradierung, Gravur, Schaber und Poliermaschine in 23 Farben von 5 Platten auf Rives-Papier
Platte 52,6 x 42,7 cm / 20,7 x 16,8 Zoll Papier 76 x 55,5 cm / 29,92 x 21,85 Zoll
12 Probedrucke in Paris und 5 Probedrucke in Wien Druck: der Künstler und Kurt Zein, Wien; Plattenherstellung im Atelier Crommelynck, Paris
Auflage: 120 + 12 Andrucke der Künstler
Herausgeber: Waddington Graphics, London
Katalognummer: Lullin 146
Zustand: Rahmen in adäquatem Zustand: einige Risse in den unteren linken und rechten Ecken, allgemeine Gebrauchsspuren, Rahmen mit einigen Bewegungen und Unstetigkeiten