Stefanie Schneider Unbegrenzte Miniatur im Polaroidformat "Erinnerung an einen Traum (29 Palms, CA)" - 2006 -
1 Archiv-Farbfotografie nach dem Original-Polaroid.
Offene Editionen in Polaroidgröße 1999-2016
10,7 x 8,8 cm (Bild 7,9 x 7,7 cm).
Vorne signiert, nicht montiert.
Stefanie Schneiders Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Erinnerung und Verfall, eine filmische Traumwelt, in der sich die Zeit auflöst und Emotionen in verblichenen Farben und chemischen Verzerrungen kristallisieren. Ihre Bilder sind nicht nur Fotografien, sondern Artefakte einer alternativen Realität, in der der amerikanische Westen durch die Linse von Nostalgie, Sehnsucht und einer fast übernatürlichen Stille gebrochen wird.
Der 1968 in Deutschland geborene Schneider überwindet auf seinem künstlerischen Weg nationale Grenzen. Ihr Werk ist in seiner Ästhetik zutiefst amerikanisch, in seinen existenziellen Untertönen jedoch unverkennbar europäisch. Sie bewegt sich im Grenzbereich zwischen den Kontinenten, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen der rohen Körperlichkeit eines abgelaufenen Polaroidfilms und den ungreifbaren Geistern der Erinnerung, die ihre Bilder heimsuchen. Ihre Motive, die oft durch Wüstenlandschaften, Motels und Wohnwagenparks treiben, wirken wie aus einer halb vergessenen Filmrolle entsprungen, eingefroren in Momenten der Vorfreude oder Reflexion.
Schneiders Engagement für den Polaroidfilm zu einer Zeit, als das Medium vom Aussterben bedroht war, spricht für ihr Engagement für die Bewahrung des Unvollkommenen. Die Unvorhersehbarkeit des abgelaufenen Films, seine ätherischen Farbverschiebungen und chemischen Brüche passen perfekt zu ihren Themen der Vergänglichkeit und des emotionalen Rückstands. Sie manipuliert diese Fehler nicht, sondern nimmt sie in Kauf und lässt die Unberechenbarkeit des Films die Unberechenbarkeit des Lebens selbst widerspiegeln.
Ihre Arbeiten erinnern an die eindringliche Einsamkeit von Edward Hopper, die konzeptionelle Verspieltheit von Ed Ruscha und die rohe Sinnlichkeit von Nan Goldin. Dennoch bleibt ihre Vision einzigartig. In ihrer Welt ist die Liebe sowohl schön als auch unerbittlich, der Verlust ist greifbar, und die Zeit ist ein Geist, der auf der Oberfläche jedes Bildes verweilt. Die Wüste - ein immer wiederkehrender Schauplatz in ihrem Werk - ist nicht nur eine Kulisse, sondern eine eigenständige Figur, die sowohl Trostlosigkeit als auch unendliche Möglichkeiten verkörpert.
Schneiders Philosophie ist tief in der Idee verwurzelt, dass Schönheit im Unvollkommenen, im Flüchtigen, im Ungelösten liegt. Ihre Bilder sind Liebesbriefe an das Vergessene, das Vergängliche und das Fast-War. Sie haben das Gewicht der Geschichte und fühlen sich doch so unmittelbar an wie ein Herzschlag.
Wenn man ihre Arbeiten betrachtet, taucht man in eine Welt ein, die zugleich vertraut und schwer fassbar ist, in der die Vergangenheit immer zum Greifen nahe ist und die Zukunft für immer in einem goldenen Dunst liegt. Die Kraft ihrer Kunst liegt in ihrer Fähigkeit, uns Gefühle zu vermitteln - tief, schmerzhaft und unapologetisch. Und in diesem Gefühl schweben wir zwischen dem, was war, und dem, was hätte sein können, eingehüllt in die warme, flackernde Glut eines halb vergessenen Traums.
Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, Kunst zu besitzen?
Wir haben Kunst, um nicht an der Wahrheit zu sterben".
(Nietzsche)