Indem er dreidimensionale Objekte auf stark kontrastierte Formen reduziert, eröffnet Miller dem Betrachter eine neue Perspektive auf die Orchideenblüte. Die unterschiedlichen Stielgrößen und die zarten Blütenblätter schaffen eine dynamische, interessante Struktur, die eher an eine Skulptur als an eine in der Natur blühende Blume erinnert.
Jede Fotografie hält Bewegung fest, aber nur die Röntgenaufnahme erlaubt es uns, in einen bestimmten Moment und ein bestimmtes Motiv hineinzugehen und die Struktur seiner Schönheit von innen heraus zu analysieren. Millers Arbeit lüftet den Deckel eines verborgenen Bereichs und enthüllt das stille und bemerkenswerte Innere der Dinge, an denen wir täglich vorbeigehen. Orchideenzwiebeln sitzen auf spitzen Wurzeln, Musik dröhnt von einer gezupften Saite, ein Fuß stößt einen Ball in die Luft. Miller löst Pflanzen, Musikinstrumente und Fußbälle aus ihrem gewohnten Kontext und fixiert sie unter dem allwissenden, prüfenden Blick des digitalen Röntgenbildes. Die innere Welt erhebt sich zur äußeren. Rauchige, ätherische Tulpen biegen sich mitten im Verwelken; Samen schmiegen sich in fast unsichtbare Schoten; der durchscheinende Korpus der Gitarre ruht in seinem Koffer, behaglich wie in einem antiken Sarkophag. Miller destilliert alle Handlungen, Gefühle und Abläufe, so dass nur das Wesentliche übrig bleibt, und in sorgfältig wiedergegebenem Schwarz, Weiß und Film-Noir-Grau ist das Wesentliche sowohl klinisch als auch glamourös.
Was verborgen war, ist nun offenkundig, und der leere Raum in seinen Objekten weist auf deren potenzielle Fülle hin. Gleichzeitig bringt diese neue Sichtweise ein beunruhigendes Bewusstsein für unsere eigene innere Funktionsweise, unser grundlegendes materielles Wesen und letztlich unsere menschliche Anfälligkeit für die Prozesse der Zeit mit sich.
In den letzten 25 Jahren hat Steve Miller 31 Einzelausstellungen in wichtigen Institutionen in den Vereinigten Staaten, China, Frankreich und Deutschland präsentiert. Seine Ausstellungen wurden in Le Monde, Süddeutsche Zeitung, The New York Times, The Boston Globe, ArtForum, ARTnews und Art in America besprochen. Miller war einer der ersten Künstler, die in den frühen 1980er Jahren mit Computern experimentierten, und auch heute noch verbindet sein Werk Wissenschaft und Technologie mit der bildenden Kunst. Dies ist seine erste Einzelausstellung von Fotografien.
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