Die Natur, im weitesten Sinne, ist meine Inspirationsquelle. Auf nicht intellektuelle Weise übersetze und projiziere ich Gedanken, Emotionen und Empfindungen in einen Moment der Begegnung, indem ich mit Licht, Farbe und Zeichen und der Materialität der Farbe selbst arbeite. Ich biete dem Betrachter einen Raum, in den er eintreten kann, um dort zu sein, einen Moment der Kontemplation zu haben und das Werk sozusagen zu beenden. Subjekt und Objekt werden aufgelöst und durch eine Präsenz ersetzt - eine "Präsenz ohne Form A". Es gibt keine Geschichte zu erzählen, sondern nur den Wunsch, zu erwachen.
Aus formaler Sicht fließen mein Studium und meine Ausbildung in Kalligrafie und mein tänzerischer Hintergrund in meine Zeichen ein. Die Kalligraphie ist wie der Tanz ein Zusammenspiel von Bewegung und Pause, Energie und Stille. Voller Bewegung, wie individuelle Tänze von Linie und Form, sind die Zeichen eine universelle Ästhetik, die eine Lebenskraft vermittelt, unabhängig von Bedeutung oder Lesbarkeit. Rhythmus, Harmonie der gegensätzlichen Kräfte, Raumgefühl, Reinheit und Geheimnis, der gestische Pinselstrich - diese Eigenschaften machen meinen Prozess aus.
Meine Arbeit ist von Poesie, östlicher Philosophie und den kompositorischen Strukturen der klassischen chinesischen und japanischen Tuschemalerei beeinflusst und erzeugt visuelle Bilder, die Zeichnung, Schrift und Malerei integrieren. Mein Interesse liegt nicht darin, asiatisch anmutende Kunst zu schaffen, sondern die Energie oder Kraft anzuzapfen, die hinter dieser Ästhetik liegt, wobei ich die Natur als zentrales Element beibehalte und Werke schaffe, die spirituell durchdrungen sind. Parallel zum Werk anderer amerikanischer Künstler wie Franz Kline, Brice Marden und Cy Twombly bemühe ich mich, die dynamische Lebendigkeit des Pinselstrichs zu erschließen und seinen poetischen Gehalt zu erfassen, wobei die Grenzen zwischen Sprache und visueller Darstellung verschwimmen.
Geboren in Kuba und aufgewachsen in Miami, bin ich ein Produkt dieser "supersynkretischen" (Benitez-Rojo) Kultur, der Karibik. Manchmal bin ich mir der Sprache, die ich spreche, nicht sicher, ich improvisiere und bleibe offen für andere Einflüsse, wie ein Reisender, der umherzieht und Grenzen überschreitet.
Kunst zu machen ist für mich eine Möglichkeit, in der Welt präsent zu sein; es ist ein Akt der Aufmerksamkeit. Und durch diese Aufmerksamkeit gebe ich der Welt etwas zurück und spende ihr Lob. So ist meine Arbeit feierlich, expansiv, öffnend und bietet Freude.