Egon-Josef Kossuth
(Opava, Herzogtum Troppau, Schlesien, 1874 - Hartford, Connecticut, 1949)
"Reiter oder König"
[Ritter oder König]
CIRCA 1900
Öl auf Leinwand auf Karton aufgezogen
36 × 41.5 cm
56 x 53,5 mit seinem Originalrahmen
Signiert "Kossuth . E . J." unten rechts
Originaler Rahmen mit dem Titel in gotischen Buchstaben auf einem vergoldeten unteren Gebälk eingeschrieben: "REITTER [sic] ODER KÖNIG" [Ritter oder König]
Auf der Rückseite des Rahmens angebrachtes Label: "KARL SCHNEIDER, Rahmengeschäft München, Leopoldstr. 41" [Karl Schneider Rahmengeschäft, München, Leopoldstraße 41].
Egon-Josef Kossuth wurde 1874 in Opava im Herzogtum Troppau geboren, das damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte. Er erhielt seine erste Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Prag, bevor er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München fortsetzte, wo er Schüler von Gabriel von Hackl und Franz von Stuck war. Unter dem Einfluss dieser beiden großen Persönlichkeiten der Münchner Kunstszene entwickelte er seinen eigenen Stil, der die Strenge der akademischen Lehre mit einem eher spirituellen Symbolismus verbindet.
Als vielseitiger Künstler mit vielen Talenten arbeitete er gleichermaßen in der Historienmalerei, der Porträtmalerei, der Illustration, der Gravur und der Fotografie, wobei er ab den späten 1890er Jahren eine ausdrucksstarke Linie und lebhafte Farben bevorzugte. Kurz nach 1900 reiste Kossuth durch Europa und hielt sich nacheinander in England, Frankreich, Italien und Spanien auf, bevor er sich in Wiesbaden und Prag niederließ, wo er wichtige Aufträge von der österreichisch-ungarischen Elite erhielt. Neben den Porträts prominenter Persönlichkeiten malte er auch mehrere große religiöse Dekorationen.
Auch in der dekorativen Kunst war er aktiv und entwarf entschieden moderne Jugendstilplakate, insbesondere für die Erste Ausstellung für Handwerk, Handel, Kunst und Gartenbau in Wiesbaden 1909. Nachdem er sich einen guten Ruf erworben hatte, zog er 1914 nach Berlin, wo er eine Karriere als offizieller Porträtmaler einschlug und nacheinander Kaiser Wilhelm II. und den ersten Bundeskanzler Friedrich Ebert verewigte.
Unser Ölgemälde gehört zu den seltenen symbolistischen Werken Egon Kossuths und besticht durch sein makabres Sujet, das einen von menschlichen Knochen umgebenen Schädel zeigt. Der elegante, handbemalte Originalrahmen enthüllt einen rätselhaften Titel, der am unteren Rand in gotischen Buchstaben vor einem vergoldeten Hintergrund eingraviert ist: "Reitter [sic] oder König", wörtlich zu übersetzen mit "Ritter oder König".
In einer bewusst komprimierten Komposition, die die gesamte Bildfläche einnimmt, taucht ein Knochenhaufen in ein goldenes, fast sepulkrales Licht. In der Mitte lädt ein Schädel mit leeren Augenhöhlen zur metaphysischen Kontemplation ein, überragt von einem imposanten Rippenbogen, der wie die Ruine eines eingestürzten Bauwerks wirkt. Im Hintergrund kontrastiert ein leicht bewölkter blau-weißer Himmel mit den monochromen Brauntönen der irdischen Materie, was die Kluft zwischen himmlischem Ideal und sterblichem Verfall zu betonen scheint.
Der vom Maler gewählte Titel "Reiter oder König", wie ein antikes Epitaph oder ein auf einem Grabmal eingraviertes Motto, wirft sofort eine brutale und ironische Frage auf: Was spielt es für eine Rolle, ob man Krieger oder Herrscher, ein Mann der Tat, des Reichtums oder der Macht ist? Alle sind unter der Erde vereint, in der Unverwechselbarkeit des Fleisches, das zum Staub zurückkehrt.
Als stummer Richter der Geschichte wird das Skelett zum Gedächtnis und zur Prophezeiung zugleich. Egon Kossuth lässt sich von den alten flämischen und holländischen Stillleben inspirieren und präsentiert eine moderne Vanitas mit den tragischen und philosophischen Untertönen des memento mori, in der das Skelett nicht mehr nur ein einfaches anatomisches Motiv ist, sondern eine spirituelle Allegorie und ein Sinnbild für den Zustand des Menschen.