Ein bedeutendes flämisches Gemälde aus dem 17. Jahrhundert. Öl auf Leinwand, auf der ersten Leinwand, mit der Darstellung der „Rast auf der Flucht nach Ägypten“, basierend auf der Komposition von Anthony van Dyck aus der Zeit um 1630, die heute in der Alten Pinakothek in München zu sehen ist.
Die Szene zeigt die Jungfrau, wie sie am Fuße eines großen Baumes sitzt und das schlafende Kind mit beiden Händen hält, das sich zärtlich an ihre Brust schmiegt. Hinter ihnen erscheint der Heilige Josef, fast vollständig im Schatten versunken – eine stille und beschützende Gestalt während des Aufenthalts der Heiligen Familie auf ihrer Reise nach Ägypten. Auf der rechten Seite lichtet sich die Vegetation und weicht einer weiten Landschaft, die der Szene Tiefe verleiht.
Die Komposition geht auf eine der intensivsten religiösen Schöpfungen Van Dycks zurück, eines Meisters, der es verstand, die flämische Tradition mit dem chromatischen Reichtum der venezianischen Malerei und einer feinfühligen Darstellung von Gefühlen zu verbinden. In dem vorliegenden Gemälde wurde das Original an ein eher horizontales Format angepasst, wodurch die Landschaft erweitert und der Szene mehr Weite verliehen wird.
Das Werk besticht durch seine außergewöhnlich hohe Ausführungsqualität, die sich in der sanften Modellierung der Hauttöne, der Natürlichkeit des Kinderkörpers und der gekonnten Gestaltung der Gewänder zeigt. Das Bildmaterial vermittelt eindrucksvoll die unterschiedlichen Texturen der Stoffe: Das warme, satte Rot des Gewandes der Jungfrau, das tiefe Blau des Umhangs und das strahlende Weiß des Faltenwurfs werden durch satte, ausgewogene Farbverläufe wiedergegeben.
Der dünne, durchsichtige Schleier, der über dem Kopf der Jungfrau liegt, ist bemerkenswert filigran, seine Leichtigkeit kaum wahrnehmbar. Der Stoff fällt sanft von Marias Kopf herab und erstreckt sich teilweise über den Körper des Kindes, wobei er es kaum bedeckt und einen optischen Übergang von großer Intimität schafft.
Von großem historischem Interesse ist das alte Etikett oben links mit der Aufschrift „Hauskammerei-Inventar, Seite 1712, O.-Nr. 373“. Ähnliche Etiketten sind auf Kunstwerken und Einrichtungsgegenständen aus den Sammlungen des Großherzoglichen Hauses Baden, einer der ältesten und adeligsten deutschen Familien, dokumentiert. Das Etikett lässt somit auf eine Herkunft aus einer renommierten fürstlichen Sammlung im deutschsprachigen Raum schließen. Unten in der Mitte befindet sich außerdem eine zweite Inventarnummer, „700“, die sich auf die Katalogisierung bezieht.
Das Gemälde ist in einen großen Holzrahmen eingefasst, der innen mit einem vergoldeten Fries verziert ist, der zwar aus einer späteren Epoche stammt, aber eine beachtliche optische Wirkung entfaltet. Es weist einige Gebrauchsspuren und alte Löcher auf (siehe Foto).
Dieses Werk ist für Sammler von besonderem Interesse, da es Van Dycks Ausdruckskraft mit einer möglichen dynastischen Herkunft aus Mitteleuropa verbindet. Seine Größe, die Sanftheit des Motivs und die weitläufige Landschaft machen dieses Gemälde zu einem Werk, das sich sowohl für eine Sammlung alter Meister als auch für Salons, professionelle Ateliers, Bibliotheken und Empfangsräume eignet – ganz gleich, ob diese klassisch oder zeitgenössisch eingerichtet sind.
Das Gemälde wurde bereits restauriert, wobei der Keilrahmen ersetzt und kleine Farbflächen retuschiert wurden, ist aber insgesamt in gutem Zustand. Innenmaße: H 76 cm, B 94,5 cm.
NICHT SIGNIERT