„Das Mädchen mit dem Reifen“ von Frederik Hendrik Kaemmerer
Von Kaemmerer, Frederik Hendrik (Niederländer, 1839–1902)
Leinwand: Höhe 81 cm, Breite 54 cm, Tiefe 2 cm
Rahmen: Höhe 105 cm, Breite 78 cm, Tiefe 8 cm
Dieses faszinierende Ölgemälde von F. H. Kaemmerer zeigt eine junge Frau auf einem Pariser Maskenball, die inmitten der wirbelnden Menschenmenge in geheimnisvoller Stille dasteht.
Dieses bezaubernde Ölgemälde von Frederik Hendrik Kaemmerer lässt den Betrachter in die lebhafte, mit Konfetti übersäte Atmosphäre eines Pariser Maskenballs eintauchen, dessen zentrale Figur mit mühelosem, ungekünsteltem Charme inmitten der Menschenmenge verweilt.
Die junge Frau steht etwas abseits der Bildmitte und lehnt an einer breiten Terrakotta-Säule. Sie trägt ein hauchdünnes weißes Kostüm mit Puffärmeln und einem mit Spitze verzierten Ausschnitt; ihr rotbraunes Haar fällt locker unter eine aufwendig gerüschte rosa Haube. Sie hält einen Holzreifen in beiden Händen, dessen Bogen zu ihren Füßen zwischen verstreutem Karnevalskonfetti und bunten Papierschlangen ruht, daneben liegt ein weggeworfener weißer Handschuh – ein Detail von stiller erzählerischer Witzigkeit. Zu ihrer Rechten steht eine rote Samtbank, die mit Bändern und festlichen Überresten übersät ist, daneben stehen zwei vergoldete Ziergefäße. Im Hintergrund verschmilzt der Ballsaal zu einem warmen Schleier aus Rosa, Korallenrot und Bernstein, während kostümierte Figuren im Mittelgrund in lockeren, impressionistischen Pinselstrichen herumwirbeln, die die klar und leuchtend gemalte zentrale Figur deutlich hervorheben.
Kaemmerer gestaltet ihr Gesicht mit sorgfältiger Modellierung und sanften Lichtakzenten; ihr Gesichtsausdruck ist gefasst, leise amüsiert und leicht verschmitzt – sie nimmt am gesellschaftlichen Ritual der Maskerade teil, bewahrt dabei jedoch eine innere Zurückhaltung, die den Betrachter zum Nachdenken anregt. Die warme Farbpalette aus Creme-, Rosé- und gedämpften Goldtönen verleiht der Szene einen edlen Schimmer, während kleine Akzente – der Glanz am Reif, ein Schimmern des Schmucks am Ausschnitt, die Welle einer Papiergirlande – den Blick auf sich ziehen und mit der für Kaemmerers beste Werke charakteristischen Zurückhaltung Textur andeuten.
Ein eng verwandtes Gemälde des Künstlers, das sich in der Sammlung des Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires befindet, zeigt eine ähnlich selbstbewusste Hauptfigur auf einem Maskenball – eine Frau in Schwarz, die sich an dieselbe Terrakotta-Säule im selben Ballsaal lehnt, während sich hinter ihr dieselbe locker gemalte Menschenmenge auflöst. Während jenes Werk eine voll und ganz sichtbare, imposante gesellschaftliche Präsenz vermittelt, bietet das vorliegende Gemälde etwas Intimeres und Anekdotischeres: eine Teilnehmerin, die sich einen privaten Moment aus dem öffentlichen Spektakel um sie herum stiehlt. Insgesamt verdeutlichen die beiden Werke Kaemmerers anhaltende Faszination für die Maskerade als Theater der Identität, der Zurschaustellung und der stillen Intrigen.
Das Gemälde ist unten rechts mit „FH Kaemmerer 1880“ signiert und datiert; auf einer Messingplakette am Rahmen trägt es die Aufschrift „The Hoop Girl / Frederik Hendrik Kaemmerer / Niederländische Schule 1839–1902“. Öl auf Leinwand, gerahmt in einem bemalten, vergoldeten Holzrahmen.
Kaemmerer zog 1865 nach Paris und studierte bei Jean-Léon Gérôme an der Académie des Beaux-Arts, wo er einen äußerst ausgefeilten akademischen Stil entwickelte und sich auf elegante Genreszenen aus dem mondänen Pariser Leben spezialisierte. Er stellte erstmals 1870 auf dem Pariser Salon aus und wurde 1890 zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Seine Werke fanden Eingang in die Sammlungen namhafter amerikanischer Sammler, darunter William H. Vanderbilt und William Rockefeller, und zeitgenössische Kritiker stellten fest, dass in keiner bedeutenden Galerie ein Werk von Kaemmerer fehlte.