Terrakotta-Skizze, die die Allegorie der Musik darstellt und dem venezianischen, eingebürgerten österreichischen Bildhauer Giovanni Giuliani zugeschrieben wird. Erstes Viertel des 18. Jahrhunderts.
Giovanni Giuliani, manchmal auch Giovanni Pietro Giuliani genannt (Venedig, 29. April 1664-Heiligenkreuz 5. September 1744), war ein italienischer Bildhauer und Schnitzer, Bürger der Republik Venedig und eingebürgerter Österreicher. Giovanni Giuliani wurde in Venedig geboren und absolvierte seine Ausbildung in verschiedenen Ateliers in Bologna, Venedig, Tirol und München. Zu seinen bekanntesten Lehrern gehörten Giuseppe Maria Mazza und Andreas Faistenberger. Er siedelte 1690 endgültig nach Österreich über, wo er zu den italienischen Künstlern gehörte, die den Geschmack an der italienischen Barockskulptur weitergaben. Er machte sich einen Namen, indem er an der Ausschmückung des Winterpalastes von Prinz Eugen von Savoyen, der von Fischer von Erlach entworfen wurde, und an der Ausschmückung der Paläste von Prinz Johann Adam I. von Liechtenstein, des Sommerpalastes von Domenico Egidio Rossi und des Stadtpalastes von Domenico Martinelli beteiligt war. Auch für Fischer von Erlach schuf er zahlreiche Statuen für die Ställe von Schloss Lednice und für Martinelli eine Reihe von Statuen für die Gärten von Schloss Kaunitz in Slavkov, die heute fast vollständig verloren sind, aber von einigen, die in Dokumenten erwähnt werden, gibt es noch einige Terrakotta-Modelle in Heiligenkreuz.
Sein Werk spiegelt die im 17. Jahrhundert in Norditalien verbreitete Dekorationssprache wider, verbunden mit einer typisch venezianischen Lebendigkeit, die den Geschmack des Volkes traf und ihm eine große Anhängerschaft einbrachte, insbesondere unter den Ausstattern der Klöster im Wiener Raum. Giuliani schafft zahlreiche Skulpturen, hauptsächlich in Holz und Terrakotta, aber auch in Stein, Marmor und Bronze. Vor allem aus Terrakotta fertigte er zahlreiche Skizzen an, von denen sich viele heute im Liechtenstein Museum in Wien befinden.
Unsere Skizze zeigt ein allegorisches Thema, vermutlich die Allegorie der Musik: In der Gruppe der drei Putten, die mit außergewöhnlicher Kunstfertigkeit modelliert wurde, überlagern sich die Figuren in aufsteigender Formation; die drei tragen in dynamischen Posen drei Schlüsselelemente, einen Amboss, einen Hammer und eine Glocke. Der Legende nach entdeckte Pythagoras musikalische Konsonanzen, als er an einer Schmiede vorbeikam und bemerkte, dass unterschiedlich schwere Hämmer beim Aufschlagen auf den Amboss harmonische Klänge erzeugten. Die Glocke hingegen symbolisiert den Klang, der sich ausbreitet.
Typisch für Giovanni Giuliani ist die sich nach oben entwickelnde Skulptur mit einer Aufwärtsbewegung mehrerer Figuren in dynamischen Posen: Es gibt zahlreiche Beispiele für dieses Genre, wie die Gruppen "Zephyrus und Flora" und "Jupiter und Ganymed" im Park von Schloss Austerlitz in Brünn, um nur einige zu nennen. Die ganz spezielle Modellierung des Puttensujets findet sich auch in zahlreichen Skulpturen im Schloss Liechtenstein in Wien wieder: so z.B. in den vier Putten, die die Haupttreppe schmücken, und insbesondere in der Putte mit dem Schwan, deren verträumter, offener Ausdruck perfekt zu dem der Putte passt, die sich aus unserer Gruppe herauslehnt. Aber auch die Modellierung des Haares, mit einem dicken Kopf aus weichen Locken, aber auch die Modellierung des molligen Körpers, aber auch die Dynamik in der Bewegung konvergieren zur Zuschreibung an Giuliani.
Terrakotta, dieses "arme" Material aus Ton, das anfangs nur als Skizze diente, hat im Laufe der Zeit seine Last der Bescheidenheit abgelegt: Die Faszination dieses feuchten Materials, das unter den Händen des Bildhauers geformt wird, ist geblieben und hat uns im Laufe der Jahrhunderte nicht nur die Schönheit des Werks aus den Händen des Künstlers vermittelt, sondern auch die Möglichkeit, seine Fingerabdrücke darauf zu lesen, wie eine Signatur. Die Skizze ist in einem sehr guten Erhaltungszustand.
Darunter befindet sich ein Monogramm mit der Jahreszahl "JBP 1789", was fälschlicherweise auf den französischen Bildhauer Jean-Baptiste Pigalle hindeuten könnte, dessen neoklassizistischer Stil nichts mit Giulianis Barockstil zu tun hat. Stattdessen könnte es sich um das Inventar einer Sammlung oder den Namen des Sammlers selbst handeln.
Bibliographie: Luigi A. Ronzoni, Giovanni Giuliani (1664-1744), München, Prestel, 2005.
Maße H cm 35 Basis cm 14 x 13