Als sich Richard Nixon und John F. Kennedy im September 1960 zur ersten landesweit im Fernsehen übertragenen Präsidentschaftsdebatte zusammensetzten, stützten sich die beiden Kandidaten von auf eines der berühmtesten Designs des 20. Jahrhunderts. Der oft einfach als "The Chair" bezeichnete runde Stuhl ist einer von Hunderten entworfen von Hans J. Wegner (1914-2007). Wie er einmal sagte: "Der gute Stuhl ist eine Aufgabe, die man nie ganz erledigt hat".
Der einflussreiche dänische Designer Wegner, der den Spitznamen "Meister des Stuhls" trägt, verwendete in seinen Arbeiten erfinderisch natürliche Materialien und experimentierte insbesondere mit verschiedenen Holzarten anstelle der vom europäischen Modernismus des 20. Jahrhunderts bevorzugten industriellen Materialien.
In seinen hochfunktionalen Stücken mit ihren zeitlosen Silhouetten zelebrierte Wegner die Maserungen von Eiche, Nussbaum, Birke und anderen Hölzern, während er die Fugen im Inneren der verschiedenen Teile für einen nahtlosen Rahmen verbarg. Sein manchmal als "organische Funktionalität" bezeichneter Ansatz veranschaulicht die Ästhetik des skandinavischen modernen Designs in seiner Reduktion eines Objekts auf seine wesentlichen Elemente und nutzt diese Sparsamkeit, um seine Materialien hervorzuheben.
Der Sohn eines Schusters ging später bei einem Tischlermeister in die Lehre und studierte an der Technischen Universität Dänemark und an der Königlich Dänischen Akademie der Schönen Künste (damals Kunstgewerbeschule Kopenhagen). Er eröffnete seine Möbeldesign-Firma 1943 und konzentrierte sich während seiner gesamten Laufbahn auf die Handwerkskunst, wobei er die Form des Gebrauchsstuhls immer wieder neu erfand.
Er stellte den Round Chair erstmals 1949 auf der Jahresausstellung der Cabinetmakers' Guild in Kopenhagen vor. Wegner nannte sie einfach "die Runde". Ein Halbkreis aus Holz balanciert auf seinen spitz zulaufenden Beinen, zwischen denen entweder ein handgeflochtener Rohr- oder Ledersitz gespannt ist. Die offene Rückenlehne bietet Bewegungskomfort, eine Alternative zu den traditionellen Stühlen mit gerader Rückenlehne; die fein gedrechselten Armlehnen bieten Halt, ohne den Raum des Sitzenden einzuschränken. Mit 11 Holzstücken und Zickzack-Verbindungen, die den Anschein eines durchgehenden Halbkreises von den Armlehnen bis zur Rückenlehne erwecken, ist die Form des Round Chair minimalistisch, aber ein Beweis für fachmännisches Tischlerhandwerk. 1950 erklärte ihn die Zeitschrift Interiors zum "schönsten Stuhl der Welt".
Wegner ging bei seinen Entwürfen mit unglaublicher Sorgfalt vor, da er der Meinung war, dass ein gutes Möbelstück ein Leben lang halten sollte. Ursprünglich wurde der runde Stuhl vom dänischen Möbelhersteller Johannes Hansen hergestellt. Heute wird er von der dänischen Tischlerei PP Møbler produziert, die sich bemüht hat, Wegners Design durch sorgfältige Handwerkskunst zu bewahren, damit es über Generationen hinweg weiter genutzt werden kann.